3.2.3 Würfelspiel, Fressen und Saufen

Natürlich gerieten auch Gewohnheiten, die der Nüchternheit unzuträglich waren und zudem Geld und Gut kosten konnten, ins Visier der Selbstkontrolleure. So wurde die ‘Spielsucht’ schon 1512 erwähnt, die ‘Mundsucht’ (Völlerei, Eßsucht) 1515, die ‘Weinsucht’ 1531 (vgl. 2.1.3, Sebastian Franck), sogar die ‘Biersucht’ (1560, s.o.). Die ‘Trinksucht’ wurde 1686 das erstemal erwähnt, und war ein Vorläufer der ‘Trunksucht’ (vgl. 2.2.1, Brühl‑Cramer).

Das Wort Trinksucht bezog sich damals nach fast einhelliger Meinung mehr auf das gewohnheitsmäßige Trinken als Laster denn auf die Krankheiten in dessen Gefolge (vgl. Zitate bei Grimm 1952: XXII, unter ‘Trinksucht’). Man muß sich vergegenwärtigen, daß die ‘neue Freiheit’ der Städte auch zu größerer pesönlicher Freiheit im Trinkverhalten und wohl auch höherem Alkoholkonsum geführt hatten. Die Gelegenheiten waren zahlreicher, der Stoff jederzeit und überall erhältlich, die alten Rituale des regulierenden Gemeinschaftstrinkens am Aufweichen (vgl. 2.1.3, 2.1.4).

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